GENOVA 11/06

Video-Essay, 12 Min
2011

ZD YouTube FLV Player

 

„History is a work in process“ steht auf einem Mobilisierungsplakat für die Proteste gegen den G8 Gipfel in Heiligendamm 2007 unter einem an der Wand hängenden Foto eines brennenden Carabinieri-Busses während der Demonstrationen in Genua 2001.

An den Protesten in Genua Beteiligte erinnern sich an eine unfassbar gewaltige Stimmung, mit Hunderttausenden gemeinsam die Straßen zu besitzen und an das beinahe sichere Gefühl, dass jedes Ziel erreichbar ist. Dann erzählen sie von der Unmöglichkeit, die Vielheit an Protestformen zu organisieren. Schließlich vom abrupten Ende der Euphorie durch den Tod eines von ihnen und der darauf folgenden Repression die die Welt wieder in ihre Schranken wies und das vertraute Verhältnis zwischen Macht und Ohnmächtigen wieder herstellte.

Fünf Jahre nach dem Summer of Resistance, 2006 entstanden die Bilder einer kleinen Hafenstadt, deren Ruhe auch durch Jugendliche, die ihre Schule, in der fünf Jahre zuvor Blut an den Wänden klebte, besetzen nicht gestört wird.
Die reflexive Betrachtung von Erinnerungen in der Tonspur und die Montage zu einem Video fanden erst 10 Jahre nach den Ereignissen statt. Die Jahre dazwischen, in denen sich die Geschichte geschrieben hat, blitzen nur in Momenten der Erzählung auf.

Das Video-Essay spürt den Fäden von Erinnerungspolitiken und dem individuellen Wollen und Vermögen Geschichte zu begreifen nach. Es tastet nach Möglichkeiten sich die Geschichte nutzbar zu machen und überprüft die Fallen der Selbststilisierung und -heroisierung von Subjekten die vielleicht einem historischen revolutionären Moment beigewohnt haben.

Das Video erscheint im Sommer 2011 auf der DVD zum Band 17 der Reihe “Bibliothek des Widerstands” Die blutigen Tage von Genua – Wut im Bauch und Widerstand im Sinn im Laika Verlag


Videostills: Lisbeth Kovacic